
Kreislaufwirtschaft gilt vielen Schweizer KMU-Führungskräften noch als Nischenthema – etwas für Grosskonzerne mit ESG-Abteilungen und Nachhaltigkeitsberichten. Diese Einschätzung ist falsch und kostet Ihr Unternehmen bereits heute Geld, Marktposition und Optionen. Laut aktuellen Zahlen haben gerade einmal 54 Prozent der Konzerne Kreislaufwirtschaft in ihrer Strategie verankert. Bei KMUs unter 50 Mitarbeitenden ist dieser Anteil deutlich tiefer. Das ist keine Lücke – das ist eine strategische Blindstelle. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wo der Markt heute steht, wohin er sich entwickelt und welche drei Handlungsfelder für Ihre Entscheidungen als CEO jetzt relevant sind.
Die Zahl spricht für sich: Selbst unter den Grossunternehmen, die über Ressourcen, Beratung und regulatorischen Druck verfügen, hat knapp die Hälfte das Thema noch nicht strategisch verankert. Bei kleineren und mittleren Betrieben ist die Durchdringung noch deutlich geringer.
Gleichzeitig steigt der Druck von mehreren Seiten gleichzeitig. Regulatorische Anforderungen aus Brüssel und Bern nehmen zu. Grosskunden und Banken fragen ESG-Kennzahlen aktiver ab als noch vor drei Jahren. Und Mitarbeitende, insbesondere jüngere Fachkräfte, beurteilen Arbeitgeber zunehmend danach, ob deren Geschäftsmodell zukunftsfähig ist.
Wer heute nicht anfängt, die eigene Beschaffungs- und Entsorgungsstrategie auf Kreislauffähigkeit zu prüfen, wird in zwei bis drei Jahren unter Zugzwang stehen – und dann mit deutlich weniger Spielraum.
Hier liegt das grösste Missverständnis: Kreislaufwirtschaft ist nicht Recycling. Wer ein Gerät nach vier Jahren entsorgt und hofft, dass es irgendwo eingeschmolzen wird, betreibt keine Kreislaufwirtschaft – er betreibt lineare Wirtschaft mit grünem Anstrich.
Echte Kreislaufwirtschaft denkt in mehreren Lebenszyklen. Ein Businessgerät – ein Laptop, ein Server, ein Arbeitsplatz-PC – das fachgerecht aufbereitet wird, kann 18 bis 20 Jahre in produktivem Einsatz bleiben. Nicht beim selben Unternehmen, aber im System. Es geht vom Erstnutzer über ein professionelles Wiederaufbereitungswerk – in wirtschaftlich strukturschwächeren Regionen wie Polen, die dadurch qualifizierte Arbeitsplätze gewinnen – weiter zu einem Zweit- oder Drittnutzer in einem anderen Markt.
Diese Wiederaufbereitungswerke beschäftigen zwischen 50 und 1500 Mitarbeitende. Sie sind in globale Handelsströme eingebunden und schaffen professionelle Arbeitsplätze in Regionen, die davon direkt profitieren. Das ist kein Nischenszenario – das ist ein wachsender wirtschaftlicher Sektor. Bred Nenadow, CEO der CBA Computerbroker AG, bringt es auf den Punkt: Kreislaufwirtschaft ist die Wirtschaft der Zukunft, die weltweit immer mehr Arbeitsplätze schafft.
Es gibt drei Gründe, warum der richtige Zeitpunkt für Ihre strategische Entscheidung heute ist.
Die EU-Taxonomie, erweiterte Sorgfaltspflichten und verschärfte Datenschutzvorgaben für die IT-Entsorgung sind keine Zukunftsmusik mehr. Unternehmen, die jetzt Prozesse aufbauen, werden diese Anforderungen ohne Bruchstelle erfüllen. Wer wartet, baut unter Druck.
Wer heute Consumer-Geräte kauft – also Produkte, die verklebt, nicht modular und nicht reparierbar sind – verbaut sich die Möglichkeit, diese später in einen Kreislaufprozess einzuspeisen. Die Hardware existiert, aber sie ist für die Kreislaufwirtschaft wertlos. Diese Entscheidung fällt nicht in der Entsorgung. Sie fällt im Beschaffungsprozess.
Schweizer Unternehmen lagern regelmässig abgelöste IT-Hardware in Kellern – manchmal jahrelang. Dieser Bestand verliert täglich an Marktwert. Gleichzeitig birgt er ein oft unterschätztes Risiko: Daten auf nicht gelöschten Geräten sind eine konkrete Haftungsgrösse. Fälle, in denen sensible Unternehmensdaten auf Second-Hand-Geräten auftauchten, haben der Branche geschadet – und den betroffenen Firmen mehr.
Ihre Beschaffungsstrategie ist der Hebel mit dem grössten langfristigen Impact. Businessgeräte sind modular aufgebaut, reparierbar und langlebiger. Sie halten im Schnitt deutlich länger als Consumer-Produkte und lassen sich am Ende ihres ersten Lebenszyklus in einen professionellen Aufbereitungsprozess übergeben. Das erhöht den Rückkaufswert, reduziert den Entsorgungsaufwand und stärkt Ihre ESG-Bilanz.
Schweizer Unternehmen nutzen ihre Hardware im Schnitt fünf bis sechs Jahre – obwohl Businessgeräte deutlich länger einsatzfähig wären. Eine bewusste Verlängerung des Lebenszyklus kombiniert mit einer strukturierten Weitergabe schafft doppelten Wert: weniger Beschaffungskosten, mehr Rückfluss.
IT-Entsorgung ist kein administrativer Vorgang – sie ist eine Compliance-Frage. Jedes Gerät, das Ihr Unternehmen verlässt, muss nachweislich und revisionssicher gelöscht sein. Ein internes Löschen ohne Protokoll genügt nicht. Revisionen können Jahre später fragen, wo ein bestimmtes Gerät verblieben ist und ob die Löschung korrekt stattgefunden hat.
Professionelle Partner stellen Löschzertifikate aus, führen Audits durch und sorgen dafür, dass der gesamte Prozess lückenlos dokumentiert ist – vom Abholen beim Kunden bis zur Weitervermarktung. Das ist kein Nice-to-have. Das ist die Voraussetzung dafür, dass Kreislaufwirtschaft überhaupt funktionieren kann.
Nicht jeder, der sich als Broker oder Recycler bezeichnet, ist ein verlässlicher Kreislaufpartner. Die Branche hat Akteure, die Geräte übernehmen, ohne Datensicherheit zu gewährleisten, oder die Hardware ohne Aufbereitung weiterkippen. Das Risiko liegt dann beim abgebenden Unternehmen.
Ihr strategischer Partner sollte vier Kriterien erfüllen: zertifizierte Datenlöschung mit Revisionsnachweis, transparente Marktbewertung des Rückkaufswertes, globale Absatzkanäle für die Weitervermarktung sowie den Zugang zu professionellen Wiederaufbereitungswerken. Unternehmen jeder Grösse – vom Architekturbüro mit sechs Mitarbeitenden bis zum Konzern mit 600 Arbeitsplätzen – können und sollten diese Partnerschaft aktiv einfordern.
Kreislaufwirtschaft ist kein Reporting-Thema und kein Projekt für die nächste Nachhaltigkeitskampagne. Es ist eine strategische Weichenstellung, die Ihre Beschaffung, Ihre IT-Governance und Ihre Partnerschaftsstruktur betrifft. Unternehmen, die jetzt handeln, sichern sich Wettbewerbsvorteile, reduzieren Compliance-Risiken und positionieren sich für eine Regulierungsumgebung, die enger wird.
Die gute Nachricht: Der Einstieg ist heute zugänglicher als je zuvor – auch für KMUs unter 50 Mitarbeitenden. Die strategische Lücke, die die Zahlen zeigen, ist gleichzeitig Ihre Chance zur Differenzierung.